Die Stadt ist voller Geschäftigkeit. Kaufleute laufen herum und diskutieren, ein Karren fährt vorbei, der Kutscher flucht. Weiter hinten verjagt eine geduckte Gestalt einen Hund und verschwindet dann. Nicht "irgendwohin", sondern einfach so.
Auf dem Marktplatz verkaufen Bauern ihre Waren, es herrscht dichtes Gedränge. Niemand stört sich an der seltsamen Tracht einiger Händler, noch daran, daß eine Ziegenherde genau über den Markt getrieben wird. Ja, manche Leute scheinen durch die Tiere hindurchzugehen - oder die Tiere durch sie. Niemand scheint auch die zwei Trollzacker Barbaren zu bemerken, die zwischen den Ständen herumschleichen und schließlich in der Menge verschwinden.
Ein junger Handwerksbursche schlendert pfeifend vorbei, einen vollen Bierkrug in der Hand.
Er sieht den Schatten nicht, der plötzlich auf ihn fällt ...
Ein riesiger Drache landet auf dem kleinen Haus, auf das der Bursche gerade zusteuert!
Dach und Mauern bersten ... nicht.
Das Ungeheuer läßt sich im Haus nieder, faltet säuberlich die Flügel, schlingt den scharfschuppigen Schwanz bequem um eine Hausecke und senkt das gewaltige Haupt.
Der Handwerksbursche tritt ein und schlägt die Tür hinter sich zu.
Einige Gassen weiter torkelt eine Gestalt in langer Robe auf ein schiefes Fachwerkhaus zu.
Immer wieder wechselt er einen langen kräftigen Stab von einer Hand in die andere, stolpert ein paar Mal fast darüber.
Er versucht die Haustür aufzuziehen, bis er sich versehentlich dagegenlehnt.
Mit der Tür schwingt er ins Haus, sieht sich benommen um und poltert eine steile Stiege empor.
Offensichtlich hat er Schwierigkeiten mit dem Schloß.
Ungehalten rüttelt er an der Klinke, die Tür geht knarrend auf.
Der Mann strauchelt über etwas, das auf dem Boden liegt, stößt an die Deckenbalken und fällt schließlich schwer auf ein Bett unter der Dachschräge.
Fast sofort fängt er an zu schnarchen.
Die Unordnung in dem Zimmer ist bemerkenswert.
Aus der Wand ragen Äste in unmöglichen Winkeln, über einigen hängen Felle und ein Bastkorb.
Darin regt sich etwas, greint leise.
Ein langer Mantel ist über einen viel zu kleinen Stuhl geworfen, billiges Papier bedeckt in mehreren Lagen einen groben Tisch, überall sind zerfledderte Bücher verstreut.
In einem hölzernen Ständer auf dem Tisch steht etwas, das jeden Blick einzusaugen scheint, eine
Kristallkugel ...
Eine Ewigkeit scheint vergangen.
Doch die Ewigkeit gehört den Toten.
Und vielleicht nicht einmal ihnen ...
Irgendwann ist es Zeit,
Hengen zu verlassen.
Impressum -- Text © 2002-2007 Friederike Stein und Marianne C. Herdt, Tübingen. Graphik, Layout © M. C. Herdt. Letzte Änderung: 2007-07-30