Nacht über Hengefeldt | ||
| Die Sterne funkeln am Himmel, nicht anders als anderswo auch.
Seufzend fährt der Wind durch Gras und Laub.
Zwei Sterne funkeln im Gebüsch, ein Seufzen fährt durch die Luft.
Dann ist wieder alles ruhig. Langsam kommt der Schlaf. | ||
| Ein Knistern und Schlurfen vertreibt Ruhe und Schlaf. Feuer! Grünliche Flammen lecken gen Himmel, von dem kein Stern mehr grüßt. Auf! Auf! Fort! Messerscharfes Gras schneidet in rennende Beine, speerspitze Steine bohren sich in nackte Sohlen. Weiter! Fauchend rast der Brand heran. Da blinkt es golden von den Gipfeln der nahen Berge, kristallklare Schreie zerreißen die aschene Luft -- die Greifen kommen! Ihre Schwingen donnern durch den Glutsturm -- gerettet! Mächtige Flügel schlagen die Flammen, wirbeln sie auf - wirbeln, wirbeln ... Tentakel aus grüner Lohe winden sich durch die Luft, ledrige Schwingen treiben sie voran, durchdringendes Kreischen reitet auf der rasenden Feuerwoge. | ||
| Kühler Wind weht ihr aus dem Tal entgegen, kalte Schwärze aus der Schlucht.
Grüne Flammenrüssel tasten sich gierig näher, zischend vergeht die Welt, wo die Feuerwalze sie berührt.
Ihr fahles Flackern läßt den Felsboden leuchten. Voran! Voran! Voraus bricht die Felskante ab und endet im Nichts. Was kümmert es? Kühle heißt hier willkommen, gnädige Dunkelheit. Rauschend rast die kalte Luft vorüber. Bleiches Licht von Nirgendwo beleuchtet bleierne Wogen, wulstig leckt das Gestein empor -- Kälte und Dunkel verschlingen den letzten Schrei. | ||
| Hat jemand geschrien? Knisternd fährt der Wind durch Halme und Äste. Jemand schmatzt leise im Schlaf und zuckt. Die Sterne sind hinter Wolken verborgen. Jemand dreht sich um im Schlaf, beginnt rasselnd zu schnarchen, als ertrinke er im eigenen Blut. Feucht zerreißen Fleisch und Stoff, ein Knochen zerknackt ... | ||
| Hände tasten nach Waffen und Licht, stoßen auf tastende Hände, dreifingrig, vierfingrig, vielfingrig, ohne Knochen und - kalt.
Schreie ersticken in röchelndem Gurgeln, Schneiden versinken in weichem Nichts oder schlagen Funken aus flirrenden Schuppen. Schlurfen entfernt sich, schleppt etwas mit sich fort. Dann kehrt wieder Ruhe ein. Seufzend fährt der Wind durchs Gras. | ||
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Impressum -- Text © 2002-2007 Friederike Stein und Marianne C. Herdt, Tübingen. Graphik, Layout © M. C. Herdt. Illustrationen (Div. Wesen) © 2002 M. C. Herdt. Letzte Änderung: 2007-12-30