Schließen verfeindete Sippen Waffenstillstand oder Frieden, tauschen sie nicht nur Sachgeschenke untereinander aus, sondern meistens auch «Obsiden», Geiseln, aus den eigenen Familien.
Diese sollen zum einen die Einhaltung der Friedensschlüsse sicherstellen, zum anderen dienen sie als Ersatz für gefallene Sippenmitglieder der Gegenseite.
Obsiden werden üblicherweise nicht als Gefangene, sondern wie Verwandte und Konviven behandelt.
Dafür dürfen sie auch selbst nichts gegen ihre "Gastfamilie" unternehmen.
Mancher Obsiden-Austausch hat schon zu dauerhaften Friedensschlüssen durch Heiraten geführt.
Andere gingen tragischer aus, etwa wenn eine liebgewordene Geisel bei Vertragsbruch von der Sippe getötet wurde oder ein "unehrenhafter" Obside aus Rache seine "Gastfamilie" umbrachte.
Bei lange andauernden Sippenfehden werden zuweilen auch gezielt ältere Leute verschleppt, die dann in der eigenen Familie als «Ammen» oder «Kustoden» (Hüter, Aufpasser) der kleinen Kinder und des Hofes eingesetzt werden, solange die Erwachsenen auf Kriegszug sind. Auch hier verbietet ein Ehrencodex, daß die Verschleppten zum Nachteil ihrer Feinde handeln. Nach dem Krieg werden sie üblicherweise mit Geschenken wieder nach Hause gebracht.
Hat eine Sippe schwere Verluste hinnehmen müssen oder wurden Abmachungen gebrochen, werden zur Beilegung der Fehde und zur Entschädigung «Serviten» oder «Servi», Sklaven, genommen.
Auch im Kampf Gefangene werden meist versklavt, vor allem solche aus "Barbaren"-Völkern (also auch Mittelreicher), ebenso zur Sklaverei verurteilte Verbrecher.
Serviten sind völlig unfrei und rechtlos und werden oft mit Schimpf- und Schmähnamen benannt.
Sie werden oft in Fesseln und "Kerkern" (verschlossenen Verschlägen) gehalten, zu schweren, schmutzigen oder gefährlichen Arbeiten eingesetzt und als Tauschgeschenk oder Handelsware benutzt.
Viele überleben das erste Jahr ihrer Gefangenschaft nicht, weil sich entweder ihre Herren an ihnen für den Verlust von Freunden und Verwandten rächen, oder weil sie bei einem Fluchtversuch getötet werden oder sich aus Schmach selber umbringen.
Andererseits behandeln viele Familien ihre Sklaven auch recht gut und das Verhältnis entspricht mit der Zeit eher dem zwischen Obsiden und ihren "Gastfamilien".
Nicht selten bleiben solche Serviten dann auch nach ihrer Freilassung bei ihren einstigen Feinden.
Von Sklavinnen geborene Kinder werden entweder früh adoptiert oder baldmöglichst an eine andere Sippe gegeben oder sogar getötet.
Andernfalls, so fürchten die K., könnten sie zu Rächern ihrer Mutter werden oder sonstwie Unfrieden in die Familia bringen.
Durch
Handel gelangen sogar
Mohas in K.-Familien oder umgekehrt versklavte K. oder "Barbaren" nach Al'Anfa.
Selten, aber es kommt vor.
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