Die Gesellschaft der Kolonier

Leben und Beruf

Jungen und Mädchen werden oft "auf Pergrine" geschickt (auch: "ins Pergrinat" u. ä., peregrinatio = Reise, Aufenthalt in der Fremde) oder in «Famulei» (famulus = Diener, hier etwa: Page oder Knappe) zu anderen Familien oder Sippen, inzwischen oft sogar ins Mittelreich oder nach Aranien. Nach einigen Lehr- und Wanderjahren (in denen sie z. B. auch als Boten zwischen Sippen eingesetzt werden) kehren sie (hoffentlich) zu ihrer Familie zurück.
   Erben werden auf die Übernahme der Aul vorbereitet, ihre Geschwister bleiben als Teil der Familia auf dem Hof, gehen als Ehepartner oder "Konviven" zu anderen Familien oder Sippen oder gründen sogar einen eigenen Hausstand.

Die meisten K. sind zugleich Bauern, Handwerker und Jäger, je nach Gegebenheit auch Krämer (v. a. bei den Cauponiern). Wer etwas Bestimmtes besonders gut kann, wird von anderen Arbeiten meist freigestellt, vor allem, wer sich einem Handwerk widmet.
   Fast jeder Bauer und jede Handwerkerin kann (und muß) im Kriegsfall kämpfen, jeder "Kämpfer" in Friedenszeiten auf der Aul bzw. im Wiek mitarbeiten. Spätestens bei der Ernte oder bei Befestigungsarbeiten muß jeder mit anpacken, soweit er irgend in der Lage dazu ist - normalerweise sogar eine Kapitan oder ein Pretor.

Einen Adels-, Ritter- oder Kriegerstand im mittelreichischen Sinn gibt es bei den K. also nicht. Vor allem in unruhigen Zeiten wie den derzeitigen leisten sich große Sippen aber «Alaker»-Verbände (alacer ad pugnandum = kampflustig) von stets kampfbereiten Frauen und Männern. Diese sind meist besser bewaffnet und gerüstet als die normalen K., je nach Region auch beritten, um beweglicher zu sein. Angeführt werden sie von einem oder einer vom Pretor bestimmten oder selbstgewählten «Dux».
   Alaker und Alakerinnen werden in Kriegszeiten und nach siegreichen Kämpfen bewundert und geachtet, in Friedenszeiten, nach Verlusten oder wenn sie im Kampf verkrüppelt wurden, schnell als Raufbolde und unnütze Esser geschmäht ...

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