Die Wohnstätten und Siedlungen der Kolonier

Siedlungs-Lage [s.u.]«Aul» oder «Aule» [s.u.]«Weiler» oder «Wyk»

K.-Höfe liegen immer in der Nähe eines Gewässers: mindestens einer ergiebigen Quelle, meist aber eines Baches, Gebirgsflusses oder kleinen Sees. Sumpfige oder von Überschwemmungen gefährdete Talsohlen werden gemieden. Gebohrte Brunnen sind selten. Gibt es keine Quelle direkt am oder in der Aul, wird das Wasser lieber über Kanäle, Stein- und Holzrinnen und Holzrohre herangeleitet.

Die «Aul»

Die traditionelle Siedlungsform der Kolonier ist die «Aul» oder «Aule» (aula = Hof, Hofhaltung) einer Familie.

Eine Aul besteht immer mindestens aus einem Drei-, meist Vierseithof mit durchgehendem ein- bis zweistöckigem Hauptgebäude, das das [s.u.]«Kaved» bzw. die «Kawede» (cavaedium = Haus-Innenhof) oder auch «Are(a)» (Hofraum) umschließt. Bei dreiflügligen Gebäuden ist die Kawede an der vierten Seite mindestens mit einer Hecke oder einem Zaun abgeschlossen.
   Bei kleinen Aulen befinden sich sämtliche Wohn- und Wirtschaftsteile (auch die Ställe) in diesem Haus, bei großen Höfen gruppieren sich oft weitere Gebäude wie Scheunen oder auch Schreine darumherum.
   Immer gehört auch eine Göttersäule («Kolune») zu einer Aul.

Ob eine Aul aus Stein, Holz, Fachwerk oder gemischt errichtet und wie das Dach gedeckt ist, richtet sich ganz nach den lokalen Gegebenheiten. Die Gebäude werden stets verputzt und gekalkt. Manche sind sehr einfach und nach rein praktischen Gesichtspunkten gebaut, andere sind - mitten im Gebirge! - mit Säulen, Friesen, Schnitzereien verziert, haben auf der Südseite Säulengänge und Altane oder leisten sich kleine Ziergärten.

Die «Area» oder «Kavede» kann ein lehmiger oder gepflasterter Hof sein oder auch ein Kräuter- oder Ziergarten oder irgendetwas dazwischen. Stets ist sie aber Mittelpunkt des Familienlebens, wenigstens bei guter Witterung: Kinder spielen, man geht kleineren Arbeiten nach oder findet sich zu Plaudereien, gemeinsamen Mählern oder abendlichem Geschichtenerzählen zusammen.

Im Winter bzw. bei schlechter Witterung nimmt das «Atrium» (atrium, "Vorraum") den Platz des Kaveds ein, ein großer Raum, der meist ein Gutteil des Frontflügels einer Aule ausmacht. Dies ist auch der "Prunk-" und Empfangsraum einer Aul, hier stehen die Urnen der Ahnen, werden wertvolle Geschenke ausgestellt und Erzählern oder Spielleuten gelauscht.

Die Einrichtung der Aulen variiert ähnlich wie ihr Äußeres: bei den einen sehr schlicht bis geradezu "barbarisch" oder asketisch, bei anderen kann man hinter einer abweisenden Fassade kunstvolle Möbel, tulamidische Teppiche und Zimmerpflanzen finden.

Obst- und Gemüsegärten liegen direkt bei der Aule, Äcker und Weiden oft ein ganzes Stück entfernt, je nachdem, was das Gelände erlaubt.

Der «Wyk»

Kommen bei einer Aul weitere Ansiedler hinzu, entsteht ein «Weiler» (villa = hier: großes Gut) oder ein «Wyk» (auch: «Wiek» u. ä., vicus = Dorf).

Die Gutshöfe bzw. Siedlungen sind meist mit «Wall und Fossa» (Wall und Graben) befestigt. Selten handelt es sich um kompakte Steinmauern, sondern meist um Erdaufschüttungen, Palisaden, Füllmauern, Hecken und Kombinationen daraus, wie es Gelände und Baumaterialien hergeben und erlauben. In die Fossa wird auch gerne ein naher Bach geleitet.

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